Ich, Label, gründe einen Musikverlag

Ein Living Blogpost

von Patrick Thomas

Letzte Aktualisierung: 25.08.2014

Wie ich als Label zum Musikverlag werde, von der GEMA 
profitiere, verstehe was die da tun und reibungslos mit ihnen 
zusammenarbeite.


Einen Musikverlag zu gründen bedeutet vor allem auch den Willen, GEMA-Mitglied zu werden:

  • Werke zu verlegen und zu monetarisieren
  • ein Gewerbe zu gründen
  • Aufnahmegebühr und Mitgliedsbeitrag zu zahlen
  • den Aufnahmeantrag auszufüllen
  • Notendrucke einzureichen
  • Kopien der Verträge mit den Urhebern einzureichen

Warum sollte ein Label das tun? Für 40% der Tantiemen im Mechanischen Recht (MR) und 33,33% der Tantiemen im Aufführungs- und Senderecht (AR) sowie die Option auf Synch-Deals im Film- und Werbemarkt.


© 2014 ALV Software nach Daten der GEMA (www.alv-software.com)
© 2014 ALV Software nach Daten der GEMA (www.alv-software.com)

Wieviel Geld sammelt die GEMA ein?

Die GEMA hat im Jahr 2013 rund 850 Millionen Euro eingesammelt. Davon nimmt sie sich 14,9% oder 123 Mio € für Verwaltungs- und soziale Zwecke und den Rest verteilt sie unter ihren 60.000 Mitgliedern.

  • Tonträger: 110,4 Mio €
  • Online: 26,4 Mio €
  • Rundfunk/TV: 292,2 Mio €
  • Bezirksdirektionen: 326,6 Mio €

Sonstige Einnahmen hinzugerechnet ergeben die Summe von 852,4 Mio €. Das entspricht einem Plus von 3,9% gegenüber dem Vorjahr. Was folgt daraus? Wenn Deine Künstler im Rundfunk vorkommen (292,2) und gut auf Tour unterwegs sind (326,6), kann sich die GEMA-Mitgliedschaft schnell lohnen.


Wie sieht das Antragsformular aus?

Das Antragsformular für Musikverlage und entsprechende Informationsblätter sind öffentlich auf der GEMA-Website unter gema.de zu finden und besteht aus folgenden Blöcken:

  • Angaben zum Musikverlag (Rechtsform "GbR" oder "Einzelunternehmen", Zugehörigkeit zu einer Verwertungsgesellschaft "nein")
  • Angaben zum Inhaber / GF (Hauptberuf und Nebenberuf, z.B. "Labelinhaber)
  • Angaben zur Werknutzung (eine Nutzung genügt, kann ein Online-Download oder ein Spotify-Stream sein)
  • Erklärungen (Aufnahme als angeschlossenes Mitglied)
  • Bankverbindung (in Deutschland oder den USA)
  • Angaben zum USt-Ausweis

Was muss ich noch einreichen?

Die GEMA möchten neben dem ausgefüllten und unterschriebenen Aufnahmeantrag:

  • eine Kopie des Gewerbescheins bzw. einen Handelsregisterauszug (auf die Tätigkeitsbezeichnung achten, z.B. "Verlegerische Tätigkeit als Musikverlag" oder einfach "Musikverlag", auf keinen Fall "Musikproduktion")
  • zwei Notendruck-Beispiele für zwei Werke
  • Kopien Eurer Verträge mit Urhebern (können auch in Englisch sein, andere Sprachen übersetzen)
  • eine Kopie des Überweisungsbelegs in Höhe von 147,25€ (Aufnahmegebühr und Mitgliedsbeitrag)

Wichtig: ruf bei der GEMA an, ob der von Dir gewählte Musikverlagsname nicht bereits vergeben ist


Muster für eine handelsübliche Druckausgabe, Copyright (C) GEMA
Muster für eine handelsübliche Druckausgabe, Copyright © GEMA

Wie geht das mit dem Notendruck?

Für die "handelsüblichen Druckausgaben" hat die GEMA genaue Vorstellungen. Davon abzuweichen ist nicht angeraten. Hier einige Details:

  • die Titelseite mit Urheber- und Musikverlagsangaben
  • bei einem kurzen Lied von einer Seite Noten: zweiseitiger Ausdruck auf A4 mit dem Titelblatt vorn und den Noten hinten (niemals Blätter heften)
  • bei zwei bis drei Seiten Notenblättern: zweiseitiger Ausdruck im A3-Format quer und mittig gefaltet
  • bei mehr als drei Seiten Notenblättern: A4-Ausdruck und Ringbindung (nicht heften)
  • korrekte Fußzeile auf jeder Seite unten

Für den Notensatz selbst empfiehlt es sich mit einem Notendrucker/-setzer/-graphiker zusammen zu arbeiten, die leicht zu googlen sind.


Muster für eine handelsübliche Druckausgabe, Copyright (C) GEMA
Muster des Berechtigungsvertrages. Copyright © GEMA

Der Berechtigungsvertrag mit der GEMA

Der Aufnahme-Ausschuss der GEMA tagt nicht allzuoft, beispielsweise am 21. Juli und nachfolgend (vorauss.) am 11. November 2014 (Update: der Ausschuss tagte am 25.11.2014, für zukünftige Termine bitte die GEMA kontaktieren).

 

Den Berechtigungsvertrag erhälst Du in zweifacher Auswertigung per Post. Unterschreibe beide Exemplare und schicke beide an die GEMA zurück, nicht nur eins.

 

Du kannst zwar keine Deiner Werke von der Wahrnehmung durch die GEMA ausklammern, aber Du kannst

  • Nutzungsarten
  • Länder

von der Rechtsübertragung ausnehmen. Die GEMA schüttet viermal im Jahr aus, manche Sparten jährlich (Live), andere zum Beispiel jedes Halbjahr (Tonträger).


Deutscher Musikverleger-Verband

Der Deutsche Musikverleger-Verband e.V. (DMV) ist ein Zusammenschluss von Musikverlagen aus dem gesamten Bundesgebiet - vom Großunternehmen bis zum kleinsten Chorverlag.

 

Mit rund 400 Musikverlagen erreicht der Verband einen Organisationsgrad von über 90% der in der Bundesrepublik Deutschland tätigen Musikverlage:

  • Notengeschäft
  • Nutzungsrechten an Werken der Musik
    • im Rundfunk-,
    • Internet- und
    • Tonträgerbereich
  • Rechts- und Wirtschaftsfragen
  • Liaison zu den Verwertungsgesellschaften

Der DMV (www.dmv-online.com) bietet allseits anerkannte Musterverträge an. Diese sind gegen eine Gebühr auch für nicht-Mitglieder erhältlich.


Werke bei der GEMA anmelden

Erst wenn man Werke (Kompositionen mit/ohne Text) bei der GEMA anmeldet, kann sie dafür Geld einsammeln und verteilen. Es gibt zwei Wege seine Werke bei der GEMA anzumelden:

  • über ein Online-Formular auf gema.de
  • über eine Software wie ALV
    (Software für Labels und Musikverlage)

Bei der Anmeldung unterscheidet man Originalverlegte Werke (die Regel für Dich) und Subverlegte Werke. Konsequenterweise heisst Du im GEMA-Jargon auch "Originalverlag" (OV). Die elektronische Anmeldung spart einiges an Handarbeit bei der GEMA, doch auch aktuell müssen ca. 50% aller Werkanmeldungen händisch überprüft werden, insbesondere weil die Urheber nicht eindeutig bestimmt (IPI-Nummern) werden können.


GEMA-Abrechnungen (GDF) verarbeiten

GEMA-Abrechnungen erfolgen in über einem Dutzend Sparten. Zeile für Zeile ist jeweils ein Erlösvorgang für ein Werk beschrieben, wem das Geld zugeordnet werden soll, welcher Betrag eingegangen ist und wieviel sich die GEMA davon einbehalten hat (KOMM Kommissionssatz). Grundsätzlich unterscheidet die GEMA zwei "Konten" (es gibt noch mehr):

  • das Hauptkonto BG=4 für den Musikverlag
  • das Sonderkonto BG=9 für Urheber, die nicht Mitglied der GEMA sind

Im einfachsten Fall gehen die Gelder für Musikverlag und Urheber direkt in korrekter Höhe an die Beteiligten, von der GEMA auf ihre Bankkonten überwiesen. In der Praxis ist es komplizierter.


Musikfolgen melden

Musikfolgen sind die Werke (allgemeinsprachlich: Songs), die Deine Band im Rahmen einer Veranstaltung / Aufführung gespielt hat. Sie werden online an die GEMA gemeldet.

  • 500.000 Musikfolgen pro Jahr insgesamt
  • 320.000 im Bereich U (Unterhaltungsmusik)
  • 70.000 davon online, Tendenz steigend
  • INKA verstärkt den Trend zur Meldung von Musikfolgen
  • Veranstalteradressen-Suche in Zweitsystem
  • Doubletten durch Doppelmeldung
  • bis vor kurzem hieß es 50% melden gar nicht

Rechtlich verantwortlich, zum Einreichen der Musikfolgen, ist der Veranstalter. Die Praxis ist komplizierter.


Lohnt sich das alles? Statistiken.

Bei der Erfolgskontrolle stellen sich übliche kaufmännische Fragen, wie

  • Welche Werke haben wieviel eingebracht?
  • Welcher Urheber hat wieviel verdient?
  • Welcher Titelvertrag ist der lukrativste?
  • Was sind meine Top Ten?

Keine dieser Fragen klärt die GEMA für einen. Für Antworten auf alle diese Fragen benötigt man als Musikverlag eine eigene betriebswirtschaftliche Software mit

  • Auswertungen nach Zeitraum (Von/Bis-Quartal)
  • Splitting nach AR und MR
  • Einzelauswertung nach GEMA-Sparten
  • umfangreichen Filtermöglichkeiten

Ein Bonbon zum Schluß: Ausfallzuschläge (AZ)

 

Das sind Gelder, die die GEMA nicht verteilen kann, weil Anteile an Werken frei oder nicht vertreten sind.

 

Sie landen beim Musikverlag und müssen von ihm nicht mit Urhebern geteilt werden.

 

Im Aufführungs- und Senderecht erhalten den AZ nur die angeschlossenen und außerordentlichen Mitglieder ausbezahlt, den ordentlichen Mitgliedern wird er auf die Alterssicherung angespart.

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